Logobalken der Organisation
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Suchtprobleme sind im Alltag schwer einschätzbar

Einer meiner Freunde plante beinahe ein Jahr lang, etwas gegen seine schlaffen Muskeln zu unternehmen.

Versuch und Irrtum – eine langwierige Angelegenheit

Einen Monat wollte Jochen mit Joggen beginnen, den nächsten nahm er sich vor, regelmässig Schwimmen zu gehen. Schlussendlich wollte er Nägel mit Köpfen machen und sich gleich im Sportstudio anmelden. Da kam ihm eine unvorhergesehene Dienstreise dazwischen.

Nachdem er seinen Vorsatz, Sport zu treiben von einer Woche auf die nächste verschob, entschloss er sich zu einer gründlichen Standortbestimmung mit einer neutralen Drittperson. Er merkte, dass ihm die Fitness gar nicht so wichtig ist und dass es sein grösster Wunsch war, zu singen. So suchte und fand er einen Chor, dem er kürzlich beigetreten ist.

So ähnlich wie Jochen ist es uns wohl allen schon gegangen. Immer wieder müssen wir zwischen verschiedenen, meist diffusen Bedürfnissen und Anforderungen abwägen. Und immer wieder kann es dauern, bis wir eine befriedigende Lösung finden. Aber hätte sich Jochen nicht manchen Umweg und einige unangenehme Gefühle ersparen können?

Informationen können Umwege verkürzen

Der Weg, den Jochen eingeschlagen hat, ist auch bei Fragen zum Suchtmittelkonsum geradezu klassisch. Das erforschte die Schweizerische Fachstelle für Alkohol- und andere Drogenfragen (SFA). Meist haben Menschen, die unsicher sind, ob ihr eigener Konsum oder derjenige von Angehörigen kritisch ist, schon einen langen Weg hinter sich, wenn sie sich entscheiden Hilfe zu holen und mit einer Drittperson zu sprechen. In der Regel versuchen sie zuerst, das Problem selber zu lösen. Und das beginnt oftmals bei der Einschätzung, ob überhaupt ein Suchtproblem vorliegt oder nicht.

Manche Menschen sind unsicher, ob ihr eigener Suchtmittelkonsum kritisch ist. Vielleicht haben sie selber ein ungutes Gefühl in Bezug auf ihren Konsum, wissen aber nicht, was sie davon halten sollen. Manchmal denken sie, er sei übertrieben, dann halten sie ihn wieder für normal.

Eine Kollegin hat mir kürzlich erzählt, dass sie enorm schnell den Eindruck hat, andere Menschen hätten ein Alkoholproblem. Deswegen war sie auch schon mit einigen ihrer Freunde und Freundinnen aneinandergeraten. Als sie ihren neuen Partner auch wegen den häufigen Auseinandersetzungen über Alkohol zu verlieren drohte, entschied sie sich, zusammen mit ihm eine Beratung aufzusuchen. Sie hat gemerkt, dass sie das Trinken ihres Freundes überschätzte, weil ihr Vater Alkoholprobleme hatte und sie deshalb unangemessen aufmerksam ist, sobald Alkohol im Spiel ist. Seither hat sich die Beziehung entspannt.

Genau umgekehrt erging es Sabine. Sie mass den Alkoholkonsum ihres Freund an demjenigen ihres Arbeitskollegen, den sie oft betrunken antraf. Sie sah, dass ihr Freund viel weniger trank. Aus dieser Beobachtung schloss sie, dass ihr Freund kein Alkoholproblem haben könne. Weil sie die Trinkerei ihres Partners aber trotzdem immer wieder störte, entschloss sie sich schliesslich, sich beraten zu lassen. Sie stellte fest, dass sie das Problem deutlich unterschätzt hatte.

Diese Beispiele zeigen, wie schwer es sein kann, ein Suchtproblem einschätzen zu können.
Die SFA rät deshalb, sich bei Fragen zum eigenen Suchtmittelkonsum oder demjenigen von nahestehenden Menschen, zuerst zu informieren, z.B. beim Hausarzt, bzw. der Hausärztin oder einer Beratungsstelle. Das kann helfen, lange Umwege zu vermeiden.

Regina Burri, 02.02.06


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