Logobalken der Organisation
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Keiner darf es wissen – oder doch?

Die Einsamkeit von Partner und Partnerinnen Alkoholabhängigen

„Sprich mit deinen Freunden nicht über deine Idee, ich hätte Alkoholprobleme.“ Solche oder ähnliche Sätze hören Partner und Partnerinnen Alkoholabhängiger häufig. Der Wunsch kann sie in Teufels Küche bringen. Einerseits lieben sie die Abhängigen und möchten sie keinesfalls anschwärzen, anderseits kommen sie selber mit dem Problem nicht klar.

So ging es auch Claudia. ... Wenn sie Besuch von ihrer Familie bekam oder sich mit Freundinnen traf, verbot er ihr, mit ihnen über seinen Alkoholkonsum zu sprechen. Weil sie ihn schützen wollte, befolgte sie die Anweisung. Weil sich ihr Leben aber beinahe vollständig um das Trinken ihres Mannes drehte, verheimlichte sie den wichtigsten Teil ihres Lebens vor den Menschen, die ihr neben Urs und den Kindern am nächsten standen. Sie blieb immer öfter zu Hause und lud immer seltener Gäste ein. Damit engte sich ihr Leben zusehends ein und sie wurde immer einsamer.

In ihrer Verzweiflung suchte sie Hilfe in einer Gruppe von Angehörigen Alkoholabhängiger. Im Austausch mit ihnen merkte sie, wie ähnlich sie alle fühlten und wie sehr sich ihr Leben um ihren Partner bzw. ihre Partnerin drehte. Zusammen mit den anderen Gruppenteilnehmerinnen und –nehmern begann sie, ihre eigenen Interessen wieder zu entdecken – die Sorge um Urs trat etwas in den Hintergrund.

Schliesslich besprach sie in der Gruppe auch ihre Zweifel, ob sie mit ihrer Familie und ihren Freundinnen über Urs’ Alkoholproblem sprechen sollte oder nicht. Es spornte sie an zu erfahren, dass auch die anderen diesen Konflikt sehr gut kannten und es ihnen gut getan hatte, offen zu Nahestehenden zu sein.

Zu ihrer Verblüffung stellte sie fest, dass ihre Familie und Freundinnen bereits geahnt hatten, dass Urs ein Alkoholproblem hatte, sich aber ihrerseits nicht getraut hatten, mit ihr darüber zu reden. Sie sprach zwar nicht im Detail über das für die anderen schwer nachvollziehbare Problem, aber die Tatsache, dass sie ehrlich sein konnte, veränderte das Verhältnis zu ihrer Familie und ihren Freundinnen deutlich. Sie traf sie wieder öfters und war weniger einsam.

So eroberte Claudia Schritt für Schritt ihr eigenes Leben zurück. Diese Wandlung machte es auch Urs möglich, sein Trinkverhalten zu ändern.

Regina Burri, 03. 02.2005, in: Limmattaler Tagblatt


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