Logobalken der Organisation
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Wunsch dem Partner zu helfen:

Eine positive weibliche Eigenschaft mit negativen Auswirkungen

Viele Frauen, die mit einem alkoholabhängigen Partner leben, fühlen sich verantwortlich für sein Trinken. Sie versuchen alles, um ihm zu helfen, damit aufzuhören. Einige von ihnen kaufen den Alkohol etwa selber, weil sie hoffen, dass der Partner dann zu Hause und nicht auswärts trinkt. Damit geben sie ihm aber ungewollt in Bezug auf den Alkoholkonsum ein positives Signal. Wieder andere versuchen den Alkoholkonsum zu kontrollieren, indem sie ihrem Partner z.B. sagen, wann er genug getrunken hat. Meist lassen sich die Partner das aber nicht gefallen und beweisen ihren Partnerinnen, dass sie selber bestimmen, wie viel sie trinken. Und das darf dann auch gerne etwas mehr sein.

Obwohl die Frauen ihren Partnern helfen möchten, bewirken solche Aktionen leider das Gegenteil. Völlig unbeabsichtigt unterstützen sie das Trinken. Sie übernehmen die Verantwortung dafür.

Diese Hilfsversuche haben den Partnerinnen die Bezeichnung „Co-Abhängige“ eingetragen. Weil die Partnerinnen mit dem Begriff der Co-Abhängigkeit negativ bewertet wird, hinterfragen ihn die drei schweizerische Suchtforscherinnen und -forscher Galliker, Grivel und Klein in der Zeitschrift „Abhängigkeiten“ 2/2005. Sie halten fest, dass eine solche Handlungsweise durchaus auch als positive weibliche Eigenschaft angesehen werden kann. Man denke zum Beispiel nur an die vielen Frauen, die fremde Kinder mit an den Tisch nehmen, für kranke Nachbarn einkaufen und kochen oder ihre alten kranken Eltern oder Schwiegereltern pflegen.

Dass sich Frauen auch im Zusammenhang mit einem alkoholabhängigen Partner so verhalten, ist also verständlich. Das Problem ist lediglich, dass die Auswirkungen hier negativ sind. Sie selber werden massiv in den Suchtkreislauf hinein gezogen und sie unterstützen das Trinken.

Aber trotzdem greift der negative Begriff der Co-Abhängigkeit zu kurz.

Galliker und seine Mitarbeiterinnen wollten genauer wissen, weshalb sich diese Frauen so verhalten. Deshalb verglichen sie Frauen, die mit alkoholabhängigen Männern zusammen leben mit solchen Frauen, die mit Männern wohnen, die kein Alkoholproblem haben. Sie prüften, in welchem Ausmass sich alle diese Frauen innerlich und äusserlich auf ihre Männer ausrichten. Und sie machten eine verblüffende Feststellung: Die Frauen, die keine Kinder haben und nicht arbeiten, sind besonders stark auf ihren Partner konzentriert. Und das war gleich bei Frauen, die mit bzw. ohne alkoholabhängigen Partner zusammenleben.

So erstaunlich dieses Ergebnis ist, so plausibel ist es auch. Bei Frauen ohne Beruf und ohne Kinder liegt das Hauptinteresse beim Partner. Ihr Leben dreht sich stärker um ihn. Damit wird er zwangsläufig wichtiger. Leider wirkt sich das gerade bei den Frauen, die mit einem alkoholabhängigen Partner zusammen leben, negativ aus. Sie werden stärker in den Suchtkreislauf mit hinein gezogen und sind abhängiger von ihm. Und es ist für sie schwieriger, sich daraus zu befreien und ihre eigenen Interessen wieder in den Vordergrund zu stellen. Die Hilfe einer Selbsthilfegruppe wie z.B. der Al Anon oder einer Suchtberatungsstelle kann dabei hilfreich sein.

Regina Burri, Juli 2005: Limmattaler Tagblatt Regina Burri, LT 07.11.02


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