Logobalken der Organisation
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Früh aufhören lohnt sich und ist oftmals gar nicht so schwer

Letzthin habe ich an einer Klassenzusammenkunft meine Schulkameraden wieder getroffen. Ich erinnere mich, wie einige von ihnen bereits im Alter von 14 Jahren oft im Stadtpark gesessen sind und ziemlich viel gebechert haben. Als sie hörten, was ich arbeite, setzten sie sich zu mir.

„Ich habe einige Jahre ziemlich viel getrunken“, erzählte Eugen. „Ich hatte mehr Glück als Verstand, dass ich meine Lehre überhaupt zu Ende führen konnte und die Lehrabschlussprüfung bestand. Die finanzielle Selbständigkeit, die mir meine erste Stelle verschaffte, habe ich in vollen Zügen genossen und so hing ich einige Zeit ziemlich oft in Kneipen herum. Auch wenn ich mich mit Freunden traf, ging es hoch her. Ich habe die Gelegenheiten zum Trinken gesucht und auch die nicht gesuchten immer gepackt. Als ich mit 26 Jahren meine jetzige Frau kennen lernte, war mir rasch klar, dass ich mit ihr zusammen Kinder haben wollte. Ich wusste, dass dieses Ziel mit meiner damaligen Lebensführung nicht übereinstimmte und reduzierte mein trinken rigoros. Seither habe ich nie wieder Probleme damit gehabt. Natürlich beobachte ich mir seither punkto Alkohol genau.“

„Ich bin nicht so früh ausgestiegen wie du“, erzählte Jürg. „Mit 26 habe ich nochmals einen Zacken zugelegt und bin im Alter von etwa 32 wegen des Trinkens böse auf die Nase gefallen. Im Geschäft kam ich oft zu spät zur Arbeit und war nicht mehr in der Lage, meine Termine einzuhalten. Mein Chef sprach mich auf meine Unzuverlässigkeiten an und sagte mir ins Gesicht, dass er vermute, ich hätte ein Alkoholproblem. Er machte mir deutlich, dass ich in seiner Firma keine Zukunft hätte, wenn ich die Situation nicht ändern würde. Dieses Ereignis hat mich sehr alarmiert, vor allem weil meine damalige Freundin wegen meines Alkoholkonsums kurz vorher mit mir Schluss gemacht hatte. Also bin ich über die Bücher gegangen und habe mich gefragt, ob das Trinken diesen ganzen Ärger wert ist. Ich fühlte mich schon ziemlich zu Hause in der Welt der Bars und Restaurants und ich wusste, dass es nicht einfach würde, auf diese Heimat und auf den Alkohol zu verzichten. Aber ich wollte aussteigen. Ich suchte eine Beratungsstelle auf und liess mich beraten, wie ich die Trinkmenge reduzieren kann. Das hat zwar nicht ganz problemlos geklappt, aber es war doch nicht so schwierig, wie ich erwartet habe. Mit einigen Gesprächen, in denen ich nochmals das Für und Wider des Alkoholkonsums abwog, den Alkoholkonsum abbaute und mir einen ganz konkreten Trinkplan erstellte, war die Sache ausgestanden..“

„ Ich war Ende dreissig, als mein Arzt eine Fettleber bei mir diagnostizierte“, ergänzte Sonja. „Er sprach mir eindringlich ins Gewissen und informierte mich, dass sich die Leberfunktion weiter verschlechtern und schliesslich sogar in eine Leberzirrhose münden könnte, wenn ich mein Trinkverhalten nicht ändern würde. Natürlich wollte ich meine Gesundheit nicht auf’s Spiel setzen und so stoppte ich den Alkoholkonsum sofort. Heute trinke ich sehr wenig, nur noch an Feiern.

“Da sass ich also meinen gezähmten ehemaligen Schulkameraden gegenüber und erkannte sie kaum wieder. Dieses Erlebnis zeigte mir, wieviel für die Hypothese von Harald Klingemann, einem Schweizer Suchtforscher spricht, dass viele Menschen ohne professionelle Hilfe aus ihrem problematischen Suchtmittelkonsum aussteigen. Und es bestätigte die Erfahrung, die wir in unserer Beratungstätigkeit immer wieder machen, nämlich dass viele Menschen mit Alkoholproblemen nur minimale Hilfe brauchen.

Regina Burri, LT 01.07.2004


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