Logobalken der Organisation
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Angst: Die unerwartet paradoxe Wirkung von Alkohol

Die positive Wirkung von Alkohol ist. für Menschen, die unter Ängsten leiden nicht nur harmlos. Weil Alkohol kurzfristig angstsenkend wirkt, können sie Gefahr laufen, ihren Alkoholkonsum zu steigern. Gemeinerweise wird durch Alkohol die Angst aber langfristig sogar verstärkt. Das hat ein kürzlich durchgeführtes Experiment gezeigt, wie der Schweizer Suchtforscher, Franz Moggi berichtet. Dieser Wirkmechanismus ist vor allem deshalb so gefährlich, weil die Zunahme der Angst meist nicht mit dem Alkoholkonsum in Verbindung gebracht wird.

Am Beispiel von Anna, einer entfernten Verwandten, möchte ich diesen komplexen Sachverhalt verdeutlichen.

Schon als Kind war Anna ein stilles, eher schüchternes Mädchen. Bereits in der Schule hatte sie Mühe, im Klassenverband zu sprechen. Während der Pubertät kam noch die Angst dazu, sich mit Jungen zu unterhalten oder mit ihnen herumzualbern.

Wie alle Jugendlichen in unseren Breitengraden kam auch Anna schon früh in ihrem Leben mit Alkohol in Kontakt. Das erste Mal trank sie während ihrer Lehre. Es dauerte eine gewisse Zeit, bis sie merkte, dass Alkohol ihr half, andere zu unterhalten und mit jungen Männern zu schäkern.

An späteren Trinkanlässen machte sie ähnlich positive Erlebnisse. Als Folge davon begann sie langsam, schon beinahe unmerkbar, mehr zu trinken. Ihre Ängste verschwanden solange der Alkohol wirkte, verschärften sich aber während der restlichen Zeit. Weil ihr Alkohol immer wieder half, ihre Schüchternheit zu überwinden, führte sie die Zunahme ihrer Hemmungen aber nicht auf den Alkholkonsum zurück. Um die Zunahme ihrer Ängste zu überwinden, begann sie noch mehr Alkohol zu konsumieren. Damit setzte ein von Anna zuerst unerkannter Teufelskreis ein. Alkohol und Angst schaukelten sich gegenseitig hoch.

Als Anna schliesslich regelmässig grössere Mengen von Alkohol konsumierte, wurde ihr die Sache unheimlich. Sie beschloss, ihr Trinkverhalten zu ändern. Das gelang ihr aber nicht ohne weiteres. Einerseits hatte sie sich an den Alkoholkonsum gewöhnt, anderseits hatte sich ihr Stoffwechsel dem Alkoholkonsum angepasst. Als ihr die geplante Änderung nicht gelang, wandte sich Anna an eine Beratungsstelle und bekam das durch die Angst verursachte Alkoholproblem bald in den Griff.

Regina Burri, Stellenleiterin LT 03.07.2003


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