Logobalken der Organisation
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Schlaflos....

9 Uhr morgens, ich trinke im Bahnhof meinen ersten Kaffee. Vom benachbarten Tisch dringen Gesprächsfetzen an mein Ohr: "... völlig erschöpft..... die ganze Nacht kein Auge zugetan......er will nicht mehr....." klagt eine Frau ihrer Vertrauten. Aus den weiteren Bruchstücken des Gesprächs muss ich entnehmen, dass sich ein Beziehungsdrama abspielt. Die Frau leidet daran und kann deshalb nicht schlafen.

Jeder dritte Erwachsene leidet
Schlafstörungen, von gelegentlicher Schlaflosigkeit bis zu einer chronischen Störung, sind weit verbreitet. Die Untersuchungen aus Westeuropa zeigen ein ähnliches Bild: Etwa jeder dritte Erwachsene leidet gelegentlich unter einer Schlafstörung. Eine chronische Schlafstörung liegt bereits bei jedem 10. Erwachsenen vor. Berücksichtigt man das Lebensalter, sieht die Statistik für die ältere Bevölkerung noch schlechter aus: 40 % der über 65-jährigen klagen über Schlafprobleme.

Neben dem ruhelosen nächtlichen Hin- und Herwälzen verursacht Schlaflosigkeit auch am nächsten Tag noch leidige Zustände: Müdigkeit bis zu Erschöpfung, Konzentrationsschwierigkeiten und Leistungsabfall können die unangenehmen Nachwirkungen einer schlaflosen Nacht sein. Stimmungsmässig kann sich eine erhöhte Aengstlichkeit oder Depressivität einstellen. Eindeutig gefährlich wird es aber, wenn sich Sekundenschlaf einstellt, z.B. beim Autofahren.

Was sind die Ursachen?
Wie die eingangs erwähnten Gesprächsfetzen zeigen, haben Schlaflosigkeit und Schlafstörungen meist Ursache, hier wahrscheinlich Beziehungsprobleme. Solche und andere belastende Ereignisse, z.B. Prüfungen, Aerger am Arbeitsplatz, finanzielle Engpässe ziehen häufig Schlafstörungen nach sich. Meistens handelt es sich dabei "nur" um akute Schlafstörungen, die abklingen wenn der zugrundeliegende Stress nachlässt.

Oft ist die Ursache eher in einer körperlichen Veränderung zu suchen. So leiden beispielsweise Frauen in der Menopause vermehrt unter Schlaflosigkeit. Diese Form der Störung ist hormonell bedingt. Hormone spielen beim Einschlafen und auch beim Aufwachen eine entscheidende Rolle. Auch Krankheiten können Schlaflosigkeit verursachen.

Die sogenannten primären Schlafstörungen, zeichnen sich durch das Fehlen von erkennbaren Ursachen aus- Auch wenn frühere wahrnehmbare Ursachen zu der Störung geführt haben, spielen sie inzwischen keine Rolle mehr: Die Schlafstörung hat sich verselbständigt.

Das „Gläsli“ Wein vor dem Einschlafen
Glück im Unglück hat, wer die Ursache seines nächtlichen Leidens kennt. Denn er oder sie wird leichter, eine wirksame Heilung finden. Damit meine ich nicht die wirksamste schlaffördernde Substanz, sondern die Massnahme die in der Lage ist, die Ursache der Störung zu beheben. Was aber tun, wenn die Ursache zwar bekannt ist, aber nicht verändert werden kann, oder die Veränderung zu mühselig ist?

Nicht nur meine Beratungsarbeit bringt es ans Licht: Der Griff zu einer schlaffördernden Substanz, vor allem zum Alkohol, ist schnell gemacht und alltäglich. Wie häufig hören und sehen wir z.B. in den Medien die Geschichte vom Glas Wein oder dem „Schnäpsli“, das täglich das Einschlafen erleichtern soll. Auch in den Internetforen ist sie nicht selten anzutreffen. So erzählt Manuel, 25 j. (Angaben geändert): "Als Schlafhilfe finde ich Alkohol ganz gut. So nach 5 bis 6 Bier schlafe ich wie ein Baby."

Einschlafen wird Manuel schon gut. Aber wohl kaum tief und ohne Unterbruch schlafen. Die entspannende Wirkung des Alkohols sorgt auch für eine entspannte Rachenmuskulatur. Mit dem Resultat, dass aus sonst ruhigen Schläfern Schnarcher werden. Deren Schlafqualität ist oft schlecht, vor allem wenn noch mit Atemaussetzern dazu kommen.

Der Gewöhnungseffekt
Wer seine Schlafstörung regelmässig mit Alkohol oder einem Medikament "kuriert", muss noch mit weitere Konsequenzen rechnen. Das eine Glas Wein (oder die eine Tablette) reicht bald nicht mehr, um einzuschlafen. Es wäre bereits ein zweites nötig.

Trotzdem bleiben schlaffördernde Substanzen häufig die einzige Möglichkeit, um sich schnell die notwendige Linderung zu verschaffen. Wenn Sie regelmässig solche Mittel konsumieren, lassen Sie sich am besten von einem Arzt beraten.

Welche Alternativen gibt es? Im Internet finden sich viele Informationen und Ratschläge, z.B. unter www.swiss-sleep.ch. Weitere Informationen erhalten sie auch bei uns.

Peter Wäschle, lic.phil., LT 11.2005

Psychologe, Suchtberatung Bezirk Dietikon, Fachstelle des Sozialdienstes Limmattal, Zürcherstrasse 126, 8953 Dietikon, tel. 044 741 56 56, E-Mail: peter.waeschle@sd-l.ch


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