Logobalken der Organisation
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Ungelöste Konflikte – ein Nährboden für eine Suchtentwicklung

Es war einmal eine ganz normale Familie, ein Mann, eine Frau und ihre zwei Kindern. Der Vater war vollzeitlich arbeitetstätig und die Mutter hatte neben der Kinderbetreuung noch eine Teilzeitstelle inne. Alles schien gut zu funktionieren. Aber Konflikte gehören zum Leben wie Wasser und Brot und gerade Familien sind ein El Dorado für Konflikte, weil so viele unterschiedliche Bedürfnisse aufeinander prallen. Und so wurde auch unsere Familie im Laufe der Zeit davon betroffen. Am Arbeitsplatz des Mannes gingen die Aufträge zurück und so wusste der Vater nicht, wie lange er noch Arbeit haben würde. Zuhause wurde von ihm verlangt, dass er immer tüchtig seiner Arbeit nachgehen sollte. Er wünschte sich, dass er wenigstens ab und zu von seinen Aengsten erzählen könnte, die ihn täglich begleiteten. Er träumte davon, auszubrechen, in ein fremdes Land zu reisen, zu vergessen, neu anzufangen. Aber er wusste, dass das nicht möglich war. Weil er die Idylle der Familie nicht stören wollte, trug er alle seine Ängste und Fragen allein mit sich herum. Er wusste genau, dass es Auseinandersetzungen mit seiner Frau geben würde, wenn er all seine Ideenm Bedürfnisse und Gefühle ausbreiten würde. Er hatte Angst, dass seine Frau ihn nicht verstehen würde und sie in einen Dauerstreit geraten könnten. Wie die meisten von uns, war es ihm unwohl, weil er den Konflikt nicht mehr vermeiden oder unter den Teppich wischen konnte. Er sah aber auch keine Möglichkeit, ihn auszutragen. Und so blieb er weiterhin mit seinen Gedanken allein. Schliesslich begann er, sich abends zurückzuziehen und den Kontakt mit seiner Frau zu meiden - eine beliebte Möglichkeit, wenn sich Konflikte nicht wegschieben oder lösen lassen. Abends machte es ihn nicht mehr an, nach hause zu gehen, und so ging er noch auf ein kleines Bier ins Restaurant. Das kleine Bier wurde immer grösser und bald genügte ihm eins nicht mehr. Er wollte vergessen. Zuerst wollte er vergessen, dass er Bedürfnisse hatte und später, dass er sich wegen des Trinkens schämte. Da konnte er seine Bedürfnisse zu Hause erst recht nicht mehr ansprechen. Der Teufelskreis war perfekt. Dass er seine Bedürfnisse zurückstellte, um nicht streiten zu müssen, verschärfte seinen Konflikt. Ihm ging es so, wie es anderen in einer vergleichbaren Situation auch geht. Er wurde sich selber untreu, sein Selbstbewusstsein litt, er verlor den Mut.

Der Vater konnte diesen Kreislauf unterbrechen. Er suchte professionelle Hilfe, lernte mit seiner Sucht umzugehen und neue Entlastungsmöglichkeiten für seine schwierige Situation zu entdecken. Er konnte den langen Weg zurückgehen, an dem er gerne mit seiner Frau gesprochen hätte und dort anknüpfen. In einer Paartherapie konnten er und seine Frau lernen, aufeinander zu hören, einander zu verstehen, ihre Bedürfnisse auszusprechen und für diese auch einzustehen. Sie konnten eine neue Streitkultur entwickeln und so ihre Konflitke lösen.

Fragen und Antworten konnten so formuliert werden, dass sich eine konstruktive Streitkultur entwickelte und ein erneutes Suchtverhalten vermeiden liess

Bea Capaul, LT 03.06.2004 


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