Logobalken der Organisation
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Rückfälle – Chance und Gefahr 

Unter einem Rückfall versteht man einen ungeplanten Konsum, bzw. die ungeplante Wiederaufnahme eines problematischen Verhaltens im Anschluss an eine Phase der Abstinenz oder Reduktion.

So z.B. Priska. Sie trinkt genau einen Monat im Jahr, nämlich während ihrer Ferien. Sie erleidet jedes Jahr nach elf Monaten Abstinenz einen Rückfall.

Untersuchungen zeigen, dass etwa die Hälfte der Menschen mit grösseren Suchtproblemen Mühe haben, diese Schwierigkeiten gradlinig zu überwinden. Aber was macht es so schwierig, auf dem eingeschlagenen Weg zu bleiben und das Suchtmittel / das problematische Verhalten dauerhaft wegzulassen?

Es gibt einige kritische Schwellen. Auch Klaus wurde mit all diesen Klippen konfrontiert, nachdem er mit Spielen aufgehört hatte: Er war dabei, ein eigenes Geschäft aufzubauen und arbeitete mindestens zehn bis zwölf Stunden täglich. Aber damit nicht genug: Am Wochenende musste er noch die ganze Administration für sein Geschäft erledigen. Ein Alltag, der wie bei Klaus mit zu vielen Pflichten bestückt ist und zu wenig Freizeit für erfreuliche Aktivitäten übrig lässt, ist das erste erschwerende Element auf dem Weg zu einem dauerhaften Suchtausstieg. Weil Entspannung, Freude und Zusammensein mit anderen zu kurz kommen, entsteht Stress und Unzufriedenheit.

Kommt eine rückfallgefährliche Situation dazu, erhöht sich das Risiko, zu konsumieren beträchtlich. Unangenehme Gefühle stehen ganz oben auf der Liste der riskanten Situationen, das haben Studien gezeigt. Aber auch private oder geschäftliche Konflikte mit anderen Menschen, das Zusammensein mit Menschen, die dasselbe Problem haben, bzw. zum Konsum animieren sind sehr gefährlich. Ebenso der Wunsch, kontrolliert zu konsumieren ist sehr gefährlich. Für Klaus wurde es riskant, als seine Frau ihm wegen seinen häufigen Abwesenheiten Vorwürfe zu machen begann.

Klaus hatte seiner Frau gegenüber ein schlechtes Gewissen und entschuldigte sich bei ihr, weil er keine Zeit mehr für sie hatte. Aber je stärker sein schlechtes Gewissen wurde und je weniger er einen Ausweg aus dem Konflikt sah, desto aggressiver wurde er innerlich. Schliesslich machte er seiner Frau wegen ihrer Forderungen Vorhaltungen, was die Beziehung aber nicht verbesserte. Im Gegenteil, seine Frau wurde noch unzufriedener und die Konflikte verschärften sich. Klaus fühlte sich noch hilfloser. Es war ihm nicht möglich, die rückfallgefährliche Situation zu bewältigen. Solche fehlende Bewältigungsstrategien erhöhen die Rückfallgefahr ganz allgemein noch weiter - nicht nur bei Klaus.

Eines Abends, nach einem schwierigen Telefon mit seiner Frau, begab sich Klaus ärgerlich und deprimiert auf den Heimweg. Weil er sich noch rasch Cigaretten besorgen wollte, ging er in ein Restaurant mit Spielautomaten. Als er eingetreten war, dachte er sich: Jetzt ist es Zeit für ein Spiel. Klaus sah keine Möglichkeit mehr, den Konflikt zu lösen und erhoffte sich vom Spielen Entlastung. In solchen oder ähnlichen Situationen kann Spielen helfen die Stimmung kurzfristig zu verbessern.

Am Tag danach wird der Konsum aber oftmals als Schwäche erlebt und Scham darüber taucht auf. So ging es auch Klaus. Er machte sich Vorwürfe, weil er gespielt hatte. Auch seine Frau tadelte ihn dafür und er dachte sich: „Ich habe versagt, ich kann nichts erreichen, was ich mir vorgenommen habe“.

Die Scham, und das Gefühl, versagt zu haben, lässt die Rückfallgefahr noch weiter ansteigen und damit auch das Risiko, in das alte Suchtverhalten zurückzufallen.

Dieser Prozess ist aber keineswegs unausweichlich. An jeder rückfallgefährlichen Stelle kann die Weiche anders gestellt werden. Und das hat Klaus nach seinem Rückfall auch getan. Er hat gemerkt, dass ihn sein Geschäft zeitlich zu stark beanspruchte. So hat er sich entlastet. Er lässt die Administration seines Geschäftes heute auswärts erledigen und entschärft geschäftliche Engpässe durch den Einsatz von Temporärpersonal. Durch diese Massnahmen verschaffte sich Klaus mehr Zeit für sich und seine Frau, was die aktuellen Konflikte schon einmal reduziert hat. Zudem hat er in gemeinsamen Paargesprächen mit seiner Frau gelernt, Konfliktsituationen zu bewältigen. Und weil ihm die eigene Erfahrung gezeigt hat, dass er immer wieder einen Absturz haben kann, hat er sich darauf vorbereitet. Er hat sich vorgenommen, sofort eine Vertrauensperson anzurufen, wenn er in Gefahr ist zu spielen und fachliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.


Regina Burri, LT 02.12.2004


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