Logobalken der Organisation
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Die Drogenwirkung entsteht im Hirn

Die Einstellung spielt eine wichtige Rolle bei der Drogenwirkung

„Schon seit Jahren befasst sich die Suchtforschung mit der Wirkung, die Alkohol, Medikamente und andere Drogen auf Menschen ausübt. Mit gutem Grund: Nur durch die Alkoholwirkung ist erklärbar, dass Menschen überhaupt beginnen, regelmässig Alkohol zu trinken. Nur weil Alkohol die Fähigkeit besitzt, Menschen zu entspannen, in gute Laune zu versetzen und zu enthemmen, ist es verständlich, dass Alkohol eine so grosse Beliebtheit erlangt hat und so verbreitet ist: Alkohol wird von ca. 90% der erwachsenen Bevölkerung konsumiert und ist beinahe an jedem Treffen, an jeder Feier zu finden. Und die Wirkung ist schlussendlich auch dafür verantwortlich, dass es Menschen gibt, die eine übermässige Bindung an Alkohol entwickeln.

Kein Wunder, dass die Frage, wie die Wirkung von Alkohol und anderen Drogen zu Stande kommen kann, für Suchtforscherinnen und -forscher von jeher von grossem Interesse war. Nur wer weiss, wie ein Problem zu Stande kommt, kann geeignete Gegenmassnahmen ergreifen.

In den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts schien die Hirnforschung nun eine plausible Annahme für die Entstehung der Drogenwirkung gefunden zu haben. Sie stellte fest, dass alle Drogen – allerdings verschiedene Drogen auf unterschiedliche Weise – einen Botenstoff im Hirn aktivieren: das sogenannte ‚Glückshormon’ (den Neurotransmitter Dopamin). Dieser Vorgang erlangte auch unter dem Namen „die Dopamin-Hypothese“ eine gewisse Berühmtheit.

Wie jetzt aber die Schweizer Suchtforscher Dürsteler, Stohler und Cereghetti in einem Artikel aus dem Jahre 2004 über die Wirkung von Opiaten aufzeigen, muss die Dopamin Hypothese revidiert werden. Zwar führt der Opiatkonsum tatsächlich zur Ausschüttung des Glückhormons, aber dies nur bei Menschen, die gerade erst damit beginnen, Opiate zu konsumieren. Ganz anders sieht es dagegen bei erfahrenen Konsumentinnen und Konsumenten aus: Bereits die Erwartung des Drogenkonsums löst bei den ‚alten Hasen’ Prozesse aus, die zu einer Ausschüttung des Glückshormons führen. Und das, bevor sie die Droge konsumiert haben. Man darf vermuten, dass dieser Prozess bei allen Drogen ähnlich abläuft.

Es ist offensichtlich, dass diese Erkenntnis von grosser praktischer Bedeutung ist. Sie zeigt, in wie grossem Umfang Erwartungen in der Lage sind, positive Prozesse im Hirn auszulösen. Das wiederum bedeutet, dass diese Prozesse nicht alleine mechanisch zu Stande kommen und unbeeinflussbar sind: Sie sind durch geistige und psychische Prozesse durchaus beeinflussbar, wie das z.B. eben Erwartungen an eine bevorstehende Situation sind. Das ist eine sehr hoffnungsvolle Neuigkeit. Gerade Menschen mit Alkoholproblemen fühlen sich körperlichen Prozessen - wie der Lust nach Alkohol - oft schutzlos ausgeliefert. Ganz speziell ist das der Fall, wenn noch andere Menschen in ihrer Familie von einem Alkoholproblem betroffen sind. Aber körperliche Prozesse sind nur ein Teil eines Suchtgeschehens. Die Erwartung an die Drogenwirkung spielt ebenfalls eine Rolle und zeigt, wie wichtig solche Annahmen sind. Vermutlich spielen weitere  Einstellungen ebenfalls eine Rolle. Und Einstellungen können verändert werden, z.B. von der Meinung: „Ich schaffe es nie, vom Alkohol loszukommen!“, zu: „Ich kann es schaffen!“

Vielleicht haben Sie sich schon Gedanken über den Einfluss von Einstellungen gemacht und haben Fragen dazu? Wir  freuen uns auf Ihren Anruf!

Regina Burri, LT 03.2005


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