Logobalken der Organisation
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Überraschender Behandlungserfolg von Menschen mit Suchtproblemen

Eine Studie von McLellan zum Behandlungserfolg von Menschen mit Suchtproblemen zeigt ein erfreuliches Bild: Drei Viertel der Patientinnen und Patienten können von einer Behandlung profitieren.

Diese Ergebnisse sind ermutigend und stehen in deutlichem Widerspruch zur Wahrnehmung durch die Öffentlichkeit. Suchtmittellabhängige Menschen gelten als schwer veränderbar. Sie haben den Ruf, in der Behandlung nicht mitzuarbeiten und die Behandlungsanweisungen nicht einzuhalten. Sie werden als unzuverlässig eingestuft und der Rückfall scheint vorprogrammiert.

Menschen mit Bluthochdruck oder Zucker sind dagegen wohl angesehen. Sie werden als motiviert und interessiert eingeschätzt. Als bestrebt, ihre Krankheit in den Griff zu bekommen. Deshalb geht man davon aus, dass sie in der Behandlung gut und aktiv mitmachen.

Das positive Bild,  das wir von zuckerkranken und Bluthochdruck-Patientinnen und Patienten haben, ist fest. So fest, wie das negative Bild von Menschen mit Suchtproblemen. Ein Vergleich dieser drei unterschiedlicher Gruppen scheint deshalb völlig unsinnig.

Der oben erwähnte amerikanischer Suchtforscher McLellan hat aber gerade diesen Vergleich angestellt. Auf diese packende Idee kam er, weil er am negativen Image von Patientinnen und Patienten mit Suchtproblemen so seine Zweifel hatte.

In seiner Studie verglich er Behandlungsverläufe von Menschen, die an Bluthochdruck, Zucker und Suchtproblemen litten. Hier folgen die wichtigsten Ergebnisse, die McLellan am 05. September 2002 am 14. Internationalen Suchtkongress an der Universität Zürich vorstellte.

Etwa drei Viertel  der Menschen mit Zucker, Bluthochdruck und Suchtproblemen wurden während der Behandlung gesund. Auch die Bereitschaft, aktiv mitzuarbeiten, war bei allen Gruppen ähnlich gross.

In Bezug auf die Mitarbeit zeigten sich bei ca. einem Fünftel der Menschen mit Suchtproblemen Verfälschungstendenzen was ihre Mitarbeit betraf.. Aber auch 20% der Patientinnen und Patienten mit Zucker und Bluthochdruck waren nicht ganz ehrlich in Bezug auf ihre Mitarbeit. Auch sie gaben an, sie hätten die Behandlungsweisungen eingehalten, obwohl das nicht stimmte.

Die Untersuchung von McLellan zeigt ein überraschend positives Behandlungsergebnis von Menschen mit Suchtproblemen. Ein Bild das sich so gar nicht mit den überkommenen Vorstellungen deckt.

Weshalb also wurden Suchtpatientinnen und -patienten bis heute so negativ eingeschätzt?

Die Suchtforscher und -forscherinnen messen den Behandlungserfolg nach dem die Behandlung bereits abgeschlossen ist. Ganz anders werden die Behandlungsergebnisse bei Bluthochdruck und Diabetes festgestellt. Dort wird der Therapieerfolg erfasst, während dem die Behandlung noch im Gange ist. Und so weisen die Suchtforscher einen deutlich schlechteren Erfolg aus als die Bluthochdruckforscherinnen. Ganz zu Unrecht. Denn  McLellan fand bei allen drei Gruppen den gleich hohen Behandlungserfolg während und nach der Behandlung.

Aber es dürfte noch einen weiteren Grund geben. Die Auswirkungen, die ein Suchtproblem auf Familienangehörige, Freunde und Arbeitskollegen hat, sind gross. Ungleich grösser als die Auswirkungen von Diabetes oder Bluthochdruck. Negative Behandlungsverläufe von Suchtmittelabhängigen werden deshalb deutlicher wahrgenommen. An positive Entwicklungen gewöhnt man sich dagegen ziemlich rasch. Die Zahl der erfolgreich behandelten Menschen mit Suchtproblemen dürfte auch aus diesem Grund massiv unterschätzt werden.

Regina Burri, Stellenleiterin, LT 03.02.2003


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