Logobalken der Organisation
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Stark wie ein ELEFANT: Alkohol in der Familie

Lisa kommt aus der Schule nach Hause. Sie weiss nicht, wie sie ihre Mutter antreffen wird: Schläft sie schon, ist sie wütend, weint sie oder torkelt sie in der Wohnung herum?
Lisa kann unmöglich Schulfreundinnen mit nach Hause nehmen, denn sie will nicht, dass ihre Kolleginnen merken, was mit ihrer Mutter los ist. Weil die Mutter sie braucht, kann sie ihre Schulfreundinnen auch nicht besuchen. Lisa hört ihrer Mutter zu, tröstet sie, räumt die Wohnung auf und geht einkaufen. Aber egal was sie tut, sie muss immer damit rechnen, dass die Mutter unzufrieden oder unglücklich ist und ihre Gefühle an ihr auslässt. Noch schlimmer wird es, wenn der Vater von der Arbeit kommt. Ein kurzer Kontrollblick genügt - und der Vater weiss, wie es um die Mutter steht. Oft hagelt es Vorwürfe, Abwertungen und nicht selten schlägt er sie. Lisa muss hilflos zuschauen. Traurig, appetitlos und mit vielen Fragen geht Lisa ins Bett und zieht die Decke über den Kopf.
Sie träumt von einem ganz normalen Tag, an dem die Mutter ihr die Türe öffnet, sie fragt, wie es in der Schule gelaufen sei, ob sie Hunger habe, wie es ihr gehe.
Leider ist Lisa keine Ausnahme. in vielen Familien sitzt die Alkoholkrankheit stark wie ein Elefant, nimmt viel Platz ein und bestimmt den Tag. Gibt es in solchen Situationen noch Hilfe? Ja, das zeigt uns unsere Erfahrung und das zeigt auch die Behandlungsforschung.
Ein Ausstieg aus der Sucht eines Familienmitgliedes, bedeutet auch für alle anderen Veränderungen. Kinder, Partnerinnen und Partner müssen ein neues Rollenverständnis entwickeln und bisherige Gewohnheiten, Überlebensstrategien und Kontrollfunktionen abgeben. Die Familie ist einem grossen Druck und einer enormen Herausforderung ausgesetzt.
Möglicherweise beginnt die Veränderung mit einer stationären Therapie in einer anerkannten Klinik. Während des Therapieaufenthaltes darf die Familie unter keinen Umständen alleine gelassen werden. Die Familienangehörigen haben sich an Rollen gewöhnt, die nicht ihren wirklichen Bedürfnisse entsprechen. Die kleine Lisa übernimmt Verantwortung, die sie in ihrem Alter eigentlich noch nicht tragen kann und die sie überfordert. Nur langsam kann sie lernen, dass auch ihre Bedürfnisse wichtig sind und dass es nicht an ihr liegt, Verantwortung für die Erwachsenen zu übernehmen. Sie muss lernen, Kontrolle abzugeben. Sie muss lernen, ihre Eltern als die Erwachsenen anzuerkennen, die sich um sie kümmern und nicht umgekehrt. Und es kann für sie schwierig werden, wenn die Eltern plötzlich wieder Grenzen setzen, ihre Eigenverantwortung wahrnehmen und Lisa von der kleinen Erwachsenen wieder zum Kind wird.
Gerade weil so viele Veränderungen anstehen, macht es Sinn, sich professionell begleiten zu lassen. Was passiert, wenn der Elefant Alkohol nicht mehr mitten in der Familie sitzt? Was macht die Familie mit dem entstandenen Loch? Der Umgang mit der plötzlich neu entdeckte Freizeit und Freiheit muss gelernt sein.
Die Familie hat eine Chance, sie hat Ressourcen, die gefunden werden können, der Zukunft aller zu liebe. Die Familie bedeutet Wärme, Zusammengehörigkeit, Konflikte, Auseinandersetzungen und vieles mehr. Die Familie ist das erste Lernfeld und übernimmt damit eine wichtige Funktion für die Gesellschaft.

Bea Capaul, LT 4.12.2003 / Paar- und Familientherapeutin



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